Soziale Sollbruchstelle (work in progress)

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//Soziale Sollbruchstelle: reimagining technology from the former German Democratic Republic in the age of planned obsolescence//
What kind of patterns and juxtapositions emerge when the aesthetics and cultural practices surrounding technology from a historical communist state intermingle with capitalist consumer culture? In particular, what happens when household electronics from the former German Democratic Republic (GDR) get a makeover using the sleek aesthetics of present day digital consumer technology? Can this somehow offer alternative readings of western society’s gross entanglement with technology?

In 2014 I moved to Weimar Germany for work and I ended up living in the home of a retired television repairman. Wolfgang has lived in Weimar since he was a baby – the majority of his life and career fixing TVs took place in this town while it was under Soviet control. He was a citizen of socialist East Germany. During this period there were severe import restrictions, a scarcity of raw and industrial materials and very limited access to domestic goods and household electronics. At the same time however, there was an abundant skilled workforce and a culture of great ingenuity and repair. Wolfgang openly shared with me his technical knowledge and his expansive collection of fully operational GDR TVs, radios, record players and other household electronics, which occupied pretty much every corner of his three story home. From Wolfgang, I learned that obsolescence is a matter of perspective and a lazy one at that.  He also believed that value should only be assigned to a given piece of technology if it can be dis/re-assembled, repaired, shared and repurposed until there is absolutely nothing left of it.

Of the several machines I got to know, I was mainly drawn to his lawn mower. The ‘Trolli ESM / II’ was one of the very few models of lawn mowers made available to the people of  the GDR. Its most striking characteristic is its motor hood, which has two mysterious looking horizontal air vents that make it look somewhat like a spartan warrior helmet. There is an added sinister quality to it, as decades of use has marked it as if it had endured a lifetime of battle. I knew immediately that this machine would be a subject of artistic inquiry, however, I was worried that since Wolfgang’s was still in commission, and since it was manufactured as far back as 1962, I would have to embark on a great quest to track down another Trolli as they would have been disregarded ages ago. Luckily, I was completely wrong. In fact, the Trolli lives on in force thanks to a thriving network of sellers and buyers on the internet. It took no time for me to find a cache of socialist lawn mower parts being sold, traded and bartered for via online classified ads. Most of this activity, which takes place in former East German regions is perhaps a practice of preservation and care for material goods carried over from the lived experience of communism. This mentality could very well be useful for Western culture to learn from as we find ourselves in a time of crisis, where we need to put an end to a lifestyle of boundless consumption and adapt to an increasingly hostile and insecure natural climate.

By transposing the Trolli into the high definition settings of present day consumer electronics design and marketing aesthetics, this series of works treat the old lawn mower like a rarified object of luxury and desire. By concealing and revealing its attributes, viewers are compelled to step into the mysterious universe of the Trolli and confront up close how the glossiness of its setting falls away as the detail of its embattled and timeworn patina takes over. Soziale Sollbruchstelle evokes both a militant history and sci-fi dimension, where the Trolli is at once both worn out and weathered yet primed for combat against a future of unkempt lawns.

Collaborators include:
AGF (Antye Greie-Ripatti)
Sophia Gräfe

Complete list of works forthcoming.

//Soziale Sollbruchstelle: reimagining technology from the former German Democratic Republic in the age of planned obsolescence //
Welche Art von Mustern und widersprüchlichen Positionen erscheinen, wenn sich ästhetische und kulturelle Praktiken aus dem Umfeld der Technologie eines ehemaligen kommunistischen Staates mit kapitalistischer, konsumistischer Kultur vermengen? Was passiert im Besonderen, wenn elektrische/elektronische Haushaltsgeräte der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nun im modisch angepassten Gewand gängiger digitaler Consumer Technologie erscheinen? Können wir hier, in irgend einer Weise, eine alternative Lesart entdecken für die tiefe Verstrickung der westlichen Gesellschaft mit der Technologie?

2014 zog ich, der Arbeit wegen nach Weimar, und ich fand mich im Hause eines verrenteten Fernsehapparate-Reparateurs. Wolfgang hatte in Weimar gelebt seit er ein Baby war – die meiste seiner Lebens- und Arbeitszeit damit beschäftigt, in den Jahren unter russischer Kontrolle, Fernsehapparate zu reparieren. Er war Bürger des sozialistischen Ostdeutschland. In dieser Zeit gab es strenge Importbeschränkungen, Knappheit von Rohstoffen und Bauteilen und nur sehr begrenzte Möglichkeiten Haushaltsgeräte zu bekommen. Zur selben Zeit jedoch gab es enorm fähige Arbeitskräfte, großartigen Erfindergeist und eine lebendige Kultur des Reparierens. Wolfgang ließ mich ganz offen an seinen technischen Kenntnissen teilhaben und gewährte mir Zugang zu seiner wertvollen Sammlung voll funktionsfähiger DDR Fernseher, Radios, Tonbandgeräten, und anderen Haushaltsgeräten, die praktisch jede Ecke seines dreistöckigen Hauses belegten. Von Wolfgang erfuhr ich, dass Obsoleszenz eine Sache der Perspektive ist und eine Art Faulheit. Er war auch der Meinung, dass der Wert eines technologischen Geräts sich danach bemesse, wie gut es auseinander und zusammen gebaut, repariert, wieder- und weiter verwendet werden kann, bis nichts mehr davon übrig bleibt.

Von den verschiedenen Maschinen, die ich so kennenlernte, zog es mich besonders zu seinem Rasenmäher. Der ‘Trolli ESM/II’ war eines der wenigen Rasenmähermodelle, das den Leuten in der DDR zur Verfügung stand. Sein augenfälligstes Charakteristikum ist die Motorhaube, die zwei geheimnisvoll aussehende Ventilatoren hat, die sie so aussehen lassen wie ein Kriegshelm aus Sparta. Das Material hat eine befremdliche Qualität, als ob Jahrzehnte des Gebrauchs es gezeichnet hätten, als ob es sein Leben lang im Krieg gewesen wäre. Ich wusste sofort, dass diese Maschine ein Stück meiner künslerischen Untersuchung sein würde, aber immerhin war der Rasenmäher in Wolfgangs Besitz und war ein altes, ehrwürdiges Produkt aus dem Jahr 1962. Ich hätte wohl eine große Suche starten müssen um einen anderen Trolli aufzufinden, weil sie schon vor Jahren aus der Produktion genommen worden waren. Glücklicherweise waren meine Befürchtungen ganz falsch. Tatsächlich ist der Trolli noch am Leben, dank eines Netzwerkes von Verkäufern und Käufern im Internet. In kurzer Zeit fand ich ein Lager von sozialistischen Rasenmäherteilen zum Verkauf, angeboten und gehandelt online, via classified Ads. Der Großteil dieser Aktivitäten im ehemaligen Ostdeutchland ist vielleicht mehr eine Praxis der Erhaltung und der Archivierung materieller Güter, die herübergerettet wurden aus der lebendigen Erfahrung des Kommunismus. Diese Mentalität könnte lehrreich sein für die westliche Kultur, da wir uns in einer Krisenzeit befinden, in der wir dem Lebenstil der grenzenlosen Konsumption ein Ende setzen und uns an ein zunehmend feindliches und unsicheres Klima gewöhnen müssen.

Indem der Trolli überführt wird in die HD Settings des gegenwärtigen Designs und der Vermaktungsästhetik von elektrischen/elektronischen Gebrauchsgütern, wird der alte Rasenmäher in dieser Logik wie ein ganz seltenes Objekt des Luxus und des Begehrens behandelt. Indem seine Eigenschaften verdeckt und/oder hervorgehoben werden, kommen die Betrachter einen Schritt in das mysteriöse Universum des Tolli und erleben aus der Nähe mit wie der Glanz dieses Arrangements abfällt indem die Details seiner kampferprobten und abgetragenen Patina in den Vordergrund treten. Soziale Sollbruchstelle evoziert sowohl die militarisierte Geschichte als auch die Sci-Fi Dimension, wo der Trolli plötzlich beides ist, abgetragen und verwettert und doch ausgezeichnet für der Kampf gegen eine Zukunft der gesichtslosen Rasenmäher.

Die complete Liste der Arbeiten folgt.

Presented at

Transmediale, Berlin
Halle14 Center for Contemporary Art, Leipzig
Archiv Kabinett, Berlin